Portrait Peter M. Haas Akkordeon

Akkordeon Bass: So geht der Fingersatz

Manche Anfänger sind irritiert über die Bassknopf-Fingersätze, die sie lernen sollen. „Mein Freund hat es ganz anders gelernt“, sagen sie. Hier erkläre ich, welche grundlegenden Fingerstellungen es für die Bassknöpfe am Akkordeon gibt!


Welcher Fingersatz für die Bassknöpfe auf der linken Seite?

Es gibt zwei grundlegende Fingerstellungen – diagonal und senkrecht.

Je nach Situation halten wir unsere Finger in zwei verschiedenen Grundstellungen (die in der Praxis natürlich fließend ineinander übergehen):

• Entweder legen wir unsere Finger schräg in die Diagonalreihe des geltenden Akkordes (1).

• Oder wir legen unsere Finger senkrecht auf benachbarte Grundbasstöne (2).


1. Akkordeon Bass Fingersatz diagonal für Basston/Akkord

Fingersatz am Akkordeon-Bass bei diagonaler Fingerhaltung
Bild 1: Fingersatz am Akkordeon-Bass bei diagonaler Fingerhaltung

Hier legen wir unsere Finger diagonal, und spielen Basstöne und Akkordtöne im Wechsel.

Wir legen den Ringfinger (4) auf den Grundbass (hier C), so dass der Mittelfinger (3) den Durakkord spielen kann und der Zeigefinger (2) auf dem Mollakkord oder dem Septimakkord liegt.

Beim Begleiten (Bass – Akkord) ist das der Normalfall. Die Finger wandern beim Akkordwechsel von einer Diagonale zur nächsten.

Viele Spieler können gar nicht anders greifen. Diese Bequemlichkeit hat aber ihren Preis: Wer nichts anderes kennengelernt hat, gewöhnt sich sehr oft eine steife, schiefe Handhaltung an. Vor allem der kleine Finger, der nie gelernt hat mitzuarbeiten, wird verkrampft abgespreizt oder zusammengerollt… Darum hat es sich bewährt, bereits in den ersten Anfängen (und natürlich immer wieder bei Bedarf) diese Fingerhaltung zu variieren: in flexibler Kombination von Diagonal- und senkrechter Haltung.


2. Akkordeon Bass Fingersatz senkrecht für Bassläufe

Fingersatz am Akkordeon Bass bei senkrechter Fingerhaltung
Bild 2: Fingersatz am Akkordeon Bass bei senkrechter Fingerhaltung

Im Tonleiterspiel nützt uns die Diagonale überhaupt nichts. Hier legen wir unsere Finger senkrecht, so dass sich die Finger auf benachbarten Basstönen befinden: etwa 5. Finger auf dem Grundbass F, Finger 4 auf dem Grundbass C, Finger 3 auf dem Grundbass G, Finger 2 auf dem Grundbass D.

So können wir im Zusammenspiel von Grund- und Terzbässen die ganze Tonleiter spielen, ohne die Lage wechseln zu müssen (jeder Finger kann in seiner Reihe bleiben). Hier wird auch der kleine Finger gefordert.

(ÜBUNGEN DAZU: im Buch SpielAkkordeon, Seite 15, und Seite 127 ff)


3. Kombination von Diagonal- und senkrechter Haltung

Fingersatz fürKombination diagonal/senkrecht
Bild 3: Fingersatz Senkrechte und Diagonale gemischt

Um dem Einsteiger zu helfen, sofort alle Finger gleichberechtigt einzusetzen, wird von vielen Lehrern für die ersten Begleitungen (mit C-Dur, F-Dur, G-Dur) die senkrechte Fingerhaltung empfohlen:

Finger 4 liegt auf Grundbass C, Finger 5 auf Grundbass F, Finger 3 liegt auf dem Grundbass G.

Der jeweils benachbarte Finger spielt den zugehörigen Durakkord.

C-Dur wird also vom Fingerpaar 4 – 3 bestritten, G-Dur vom Fingerpaar 3 – 2, und F-Dur vom Fingerpaar 5 – 4.


Spiel Akkordeon, die Akkordeonschule

Persönliche Erfahrung im Unterricht

In meinem Unterricht habe ich diese Griffweise (zunächst skeptisch) ausprobiert und war vom Effekt begeistert. Meine Schüler gewöhnen sich von vornherein an eine bessere Gleichberechtigung der Finger und eine ruhigere Handhaltung. Daraufhin habe ich 2007 auch mein Buch SpielAkkordeon so überarbeitet, dass für die ersten C-Dur-Stücke diese Fingerhaltung vorgeschrieben ist.

Diese Fingerhaltung wird nur für die ersten Übungen benutzt, um auch den weniger gebrauchten kleinen Finger zu trainieren. „Spiel Akkordeon“ leitet in Kapitel 2 bruchlos zu der „üblichen“, diagonalen Fingerstellung über.

In jedem Sonderfall stellt es sich später als Vorzug heraus, dass man bereits früh alle Finger “emanzipiert” hat, – auf den Tasten ist der kleine Finger ja auch von Anfang an dabei; und auch auf den Tasten benutzen wir Nachbarfinger für Nachbartöne, anstatt einen schematischen Griff steif hin- und herzuschieben.

Darum meine Empfehlung: Wer bisher nichts anderes als die schiefe Diagonalhaltung der Finger benutzt hat, sollte unbedingt als Lockerungsübung einige Übungsstücke mit den Anfänger-Fingersätzen in der senkrechten Fingerposition nachholen, damit Finger und Hand beweglicher werden.

(ÜBUNGEN DAZU: siehe SpielAkkordeon ab Seite 16; alle Stückbegleitungen in Kapitel 1 und Anfang Kapitel 2)






Diesen Artikel schrieb der Musiker Peter M. Haas