Jens Großmann:

Grooves für Akkordeon

Neues aus dem AMA-Verlag

 

Fazit: Das Buch für alle, die gerne mit anderen Musik machen,
zum einen wegen der 22 Duostücke,
zum anderen wegen der Sensibilisierung für Timing, Rhythmus und Groove,
also der Grundlage für ein gemeinsames Musizieren.“

 

Wer kennt sie nicht, die rote Akkordeon-Schule von Peter Michael Haas, erschienen im Jahr 2000 im AMA-Verlag. Zur Jahrtausendwende leitete „Spiel Akkordeon“ damals auch eine Zeitenwende in der Akkordeonlehre ein, sowohl stilistisch als auch didaktisch. Plötzlich waren Tango, Musette, Swing, irische und jiddische Musik nicht mehr nur den Fortgeschrittenen und Profis vorbehalten, sondern jeder konnte von Anfang an in diese Stile reinschnuppern und hineinwachsen. Ein Segen für Schüler und Lehrer.

Auf meinem Schreibtisch liegt nun etwas Neues aus dem Hause AMA, auch von Peter M. Haas, diesmal in blau gehalten: Grooves & Duos – Für Akkordeon und Duopartner.

Das neue Werk ist in drei Teile gegliedert: A – einen Groove-Workshop, B – 35 Groove-Patterns für das Akkordeon und C – 22 Stücke für Akkordeon und Solo-Stimme arrangiert, sowie 7 Stücke für Solo-Akkordeon.

Teil A – Groove-Workshop

In Teil A erfährt man zunächst in gewohnt treffender und lockerer Art Wissenswertes über die Geschichte des Akkordeons und die Bedeutung des Begriffs Groove.

Es beginnt mit einfachen Übungen, bei denen die Präzision geschult werden soll. Hier zeigt sich schon Haas’ große Unterrichtserfahrung, denn er sagt nicht nur, wie es klingen soll, sondern auch, was möglicherweise alles schief gehen kann; sehr hilfreich für das Selbststudium. Für alle Übungen stehen auf der beiliegenden MP3-CD Hörbeispiele und Play-Alongs zur Verfügung.

Sehr anschaulich werden dann die Besonderheiten verschiedener Grooves vermittelt, wie die triolische Phrasierung des Shuffles oder die Back-Beat Betonung des Swings. Ganzkörperlich wird es bei der Einführung in Polyrhythmen. Durch die Kombination aus Gehen im Metrum, Sprechen eines Zählmantras und Klatschen eines Rhythmus’ wird eine Methode vermittelt, mit der auch schwierige Rhythmen erspürt werden können.

Wunderbar auch das Kapitel über Rhythmusvariationen. Am Beispiel Walzer zeigt Haas in vier Tonproben auf der CD, wie allein durch unterschiedliche Phrasierung eine periodische Folge von drei Schlägen einen völlig anderen Charakter bekommen kann.

Hier wieder ganz wichtig: Nicht nur lesen, sondern vor allem hören und nachspielen!

Teil B – Grooves

Nachdem man nun sensibilisiert wurde für die Feinheiten der Grooves und verschiedenes Handwerkszeug zum Fühlen und Einüben von Rhythmen mit auf den Weg bekommen hat, beginnt Teil B – Die Grooves. Dieser Teil ist in sechs Kapitel unterteilt:

  • Variationen für den Vierertakt
  • Rock-Drum-Rhythmen
  • Balladen
  • Der Bass lernt laufen
  • Begleitungen mit Jazzakkorden
  • Latin Grooves

Zu Beginn jedes Kapitels gibt es eine kurze Einführung in das Thema, man erfährt zum Beispiel Wissenswertes über Herkunft und Geschichte der Rhythmen oder über stilistische Besonderheiten. Und dann geht´s los mit den Groove-Patterns. In Kapitel 1 finden sich sowohl bekannte Rhythmen wie Marsch, Foxtrott und Beguine, als auch Rhythmen, die eigentlich keinen festen Namen haben, doch Haas findet treffende Titel wie Soul-Groove oder Four-In-A-Bar. Sehr aussagekräftig fand ich auch die Bezeichnung ‚Basic-Tango („preußisch“)’, da erübrigt sich fast jede weitere Beschreibung der Phrasierung.

Alle Grooves werden in gleicher Weise dargestellt und besprochen: (siehe Abb., Beispiel Reggae-Groove).

Über dem Notenbild gibt es eine spezielle Rhythmusnotation, mit der man den Rhythmus sehr schnell erfassen und spieltechnisch auf unterschiedliche Weise ausführen kann. Oben stehen die Akkordakzente, unten die Basstöne, in der Mitte die Zeitleiste. Das hat zwei große Vorteile: Man kann den Groove mit verschiedenen Harmonien üben, ohne vom Notenbild verwirrt zu werden, außerdem kann man zunächst links die Basstöne und rechts die Akkorde spielen, wenn dann der Rhythmus verinnerlicht ist, kann beides die linke Hand übernehmen.

Auf der CD befindet sich zu jedem Pattern ein Track, in dem der Groove zunächst mit Piano, dann mit Akkordeon links/rechts und zuletzt nur links gespielt wird. Die Latin-Grooves verzichten auf das Piano, dafür begleitet eine authentische Conga-Rolle das Akkordeonpattern. So bekommt man immer ein gutes Feeling für den jeweiligen Groove. Durch die Empfehlung eines passenden Youtube-Videos kann man dann noch bei den Meistern hören, wie es geht. Besser kann man sich kaum eingrooven!

Teil C – Duo-Arrangements

In Teil C des Buchs finden sich 29 Stücke von Peter Haas, davon 22 als Duo arrangiert, denen immer einer der Grooves aus Teil B zugrunde liegt. Die Bassrhythmik ist hier noch ausnotiert, sodass der Sprung ins kalte Wasser des Lead-Sheet Lesens (nur Melodie und Akkordsymbole sind notiert) erstmal entfällt.

Auf der CD befinden sich die Noten der Melodiestimme für den Duopartner als PDF-Datei in C (z.B. für Flöte, Violine, Akkordeon,…), in Bb (z.B. für Trompete oder Klarinette) und in Eb (z.B. für Altsaxophon), sodass für fast alle möglichen Instrumentalisten gesorgt ist und man keine Probleme haben dürfte, in seinem Bekanntenkreis einen Duopartner zu finden. Alle Stücke sind in voller Länge auf der CD zu hören, die Tracknummer findet man unter dem Titel der Akkordeonnoten. Zur schnellen Einschätzung des Schwierigkeitsgrads gibt es noch eine fünfstufige Punkteeinteilung (1 = einfach, 5 = schwer) und den Hinweis auf das verwendete Groove-Pattern (siehe Abb. 2).

Fazit

Nach diesem kurzen Überblick nun zurück zur Ausgangsfrage: Für wen eignet sich dieses Buch? Die Antwort ist ähnlich breit gefächert, wie das Buch selbst.

Zunächst einmal für alle, die ein Interesse an authentischen Rhythmen haben. Dabei ist es unerheblich, in welche Richtung es gehen soll, das Buch liefert grundsätzlich wichtige Hilfen, einen Rhythmus zu verstehen, einzuatmen, zu fühlen, um am Ende zu grooven, egal ob es um einen Wiener Walzer, einen Swing oder eine Samba geht.

Unbedingt empfehlenswert ist es auch für alle, die lernen möchten, Noten jenseits der typischen Akkordeonnotation interpretieren zu können. Egal ob Folk-, Pop-, Latin- oder Jazz-Songbook, einfach ein passendes Pattern über die Harmonien anwenden und schon lässt sich alles spielen.

‚Grooves & Duos’ bietet aber auch Ausblicke in die Besonderheiten verschiedener Stile, sodass hier der Grundstein für eine spätere Vertiefung und Spezialisierung gelegt werden kann. Themen wie Jazzakkorde auf dem Bass werden ebenso angesprochen wie die Bedeutung der Clave in Latinrhythmen. Sozusagen ein Schnupperkurs in die Vielfalt der Möglichkeiten. Damit schließt Peter Haas’ neues Werk meines Erachtens die Lücke zwischen einer ‚normalen’ Akkordeonschule und hochspezialisierten Werken aus den Bereichen Jazz und Latin. Also ideal für alle, die eine solide Grundausbildung (z.B. eingangs erwähntes Werk ‚Spiel Akkordeon’) hinter sich haben und nun nach Neuem suchen.

Nicht zuletzt eignet sich Grooves & Duos für alle, die gerne mit anderen Musik machen, zum einen wegen der 22 Duostücke, zum anderen, wegen der Sensibilisierung für Timing, Rhythmus und Groove, also der Grundlage für ein gemeinsames Musizieren.

 

Erstveröffentlichung: akkordeon_magazin #56
Abdruck mit Genehmigung

 

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https://www.petermhaas.de/produkt/grooves-und-duos/