Rezension
Alan Bern: Klezmer

Universal Edition World Music

Titelbild Alan Bern: Klezmer

Ende der 1980er Jahre war es, als in einer mächtigen Welle der Neuentdeckung die traditionelle Tanzmusik vieler Völker unsere Herzen eroberte. Diese Welle der „Weltmusik“ brachte auch dem Akkordeon Aufwind. Viele, die früher an „Heißa, Kathreinerle“ verzweifelt waren, holten die Quetschkommode aus dem Keller und schenkten ihr neue Liebe. Einer der schönsten Funde in diesem Wiederentdeckungs-Prozess: die yiddisch-osteuropäische Hochzeitsmusik, „Klezmer-Musik“ genannt.

(„Klezmer“ – das sollte man übrigens wissen – ist die englisch/amerikanische Umschrift, das „z“ ist ein stimmhaft-summendes „s“, und wer „Kletzmer“ spricht, outet sich als jemand, der in seiner Kenntnis und in seiner Liebe zu dieser Musik noch nicht besonders weit gekommen ist.)

Seit Jahren gibt es eine Reihe guter Notensammlungen mit Klassikern der Klezmer-Musik. Jetzt ist eine neue Sammlung herausgekommen. Der Autor ist Alan Bern, das lässt sehr Gutes erwarten, und diese Erwartung wird nicht enttäuscht.

Wer ist dieser Alan Bern? Als junger Klavier- und Akkordeonspieler war er in den 1980er Jahren mit dabei, als in den USA junge, jüdische Musiker das Erbe der Großväter aufgriffen und das Klezmer-Revival in Gang brachten. Er spielte mit bei den „Klezmatics“ und bei „Kapelye“ und schließlich bei „Brave Old World“. Als er dann nach Deutschland übersiedelte, war er lange Zeit der gute, beratende Geist der Klezmerszene in Berlin und Brandenburg. Seit Jahren leitet er das „Yiddish Summer“-Festival in Weimar.

Es ist also hier einer der intimsten Kenner ans Werk gegangen, dieses Buch zusammenzustellen. Die Bearbeitungen werden „mittelschwer“ genannt, die ersten Stücke der Sammlung erscheinen fast leicht, überraschen aber auch schon mit kleinen Feinheiten. Die Auswahl schreitet – wie nicht anders zu erwarten – den üblichen Bogen ab: Horas, Volkslieder, bis zu Bulgar- und „Terkisher“-Tänzen. Aber es sind überwiegend kleine (und große) Juwelen, die Bern hier weitergibt. Es macht froh, diese Arrangements anzusehen und anzuspielen: keine Schwierigkeit hat ein „Lehrer“ hineingedeutelt, um die Schüler zu fordern, sondern der einfühlsame Arrangeur hat den Melodien genau so viel an Voicing und an Bassläufen beigegeben, dass die Gefühlswirkung und Farbigkeit am größten ist.

Auch wer sich längst als Kenner der Klezmer-Musik wähnt, entdeckt Neues. Im Anhang wird zu jedem Titel die Herkunft und weiteres Wissenswerte geschildert. Ein zweiter Anhang gibt eine Einführung in die Feinheiten der Phrasierung und der Ornamentik. Eine zusätzliche pdf-Datei kann heruntergeladen werden, die in knapper Darstellung in Geschichte und Umsetzung der Klezmer-Musik einführt.

Zu der neuen Sammlung schreibt Alan Bern selbst: „Ich habe diese Stücke ausgewählt, weil sie mir am Herzen liegen und ich finde, dass sie mit den Jahren an Schönheit gewinnen.“ Ja, das tun sie ohne Zweifel, zumal in diesen Bearbeitungen. Thank You, Alan Bern!

pmh